Für ein zurückhaltendes Outfit entscheiden

ZFA aktuell, 08/2013, „Für ein zurückhaltendes Outfit entscheiden“

Erster Teil des Knigge-Ratgebers für die Praxis: Vorstellungsgespräch und Prüfung

Für ein zurückhaltendes Outfit entscheidenEva Ruppert ist Stil- und Kommunikationstrainerin. Von 1988 bis 1993 war sie Ersthelferin in einer Münchener Großpraxis. Seit 1994 hilft sie Menschen dabei, als sympathisch und kompetent wahrgenommen zu werden – und dennoch ihren ganz persönlichen Stil zu entfalten.

Es gibt keine zweite Chance auf einen ersten Eindruck, sagt ein Sprichwort. Dies gilt wohl in besonderem Maße für ein Vorstellungsgespräch. Bereits mein Outfit kann viel über mich verraten. Frau Ruppert, weiche Kleidung gilt denn als angemessen?
Zur erfolgreichen Bewerbung gehört die passende Kleidung. Wer sich in der eher traditionellen Branche der Zahnmedizin bewirbt, sollte sich für ein zurückhaltendes Outfit entscheiden. Wenn Sie es sich leisten können, kaufen Sie sich ein neues Outfit! Überzeugen Sie evtl. Ihre Familie davon, wie wichtig der „erste Eindruck“ ist, vielleicht beteiligt sie sich daran. Wenn nicht, sorgen Sie dafür, dass die Garderobe sauber und ordentlich aussieht.
Achten Sie auf die gute Passform! Röcke und Hosen die zu sehr spannen, sehen schnell „ordinär“ aus. Röcke sollten nicht kürzer sein als eine Handbreit oberhalb des Knies und der Ausschnitt nicht tiefer als der Brustansatz. Der Bauchnabel darf selbst beim Strecken des Körpers nicht sichtbar werden.
Überprüfen Sie, welchen Anblick Sie von hinten bietenl Fusseln und Flecken wirken ungepflegt und Unterwäsche, die sich unter der Oberbekleidung abzeichnet, ist ordinär. Überprüfen Sie auch, ob Sie sich in Ihrer Kleidung sicher bewegen können und sich wohlfühlen, denn nur dann strahlen Sie Selbstbewusstsein aus.
Vermeiden Sie unbedingt schmutzige, abgelaufene oder ausgetretene Schuhe, denn mit den Schuhen steht und fällt Ihre .Selbst-Präsentation“l Bei der Wahl des Schuhwerks ist auch die Absatzhöhe entscheidend. Bleiben Sie realistisch: Wie sicher können Sie in Ihren Schuhen gehen und stehen?

Wie viel Schmuck darf ich tragen?
Schmuckstücke sind Eyecatcher, und was den Blick fängt, fängt auch das Interesse des Betrachters. Im Idealfall tragen Sie Schmuck, der zwar angenehm auffällt, aber nicht vom Blickkontakt mit Ihnen ablenkt. Ohrringe, die bei jeder Bewegung klimpern oder wackeln, stören die Kommunikation.
Überladen Sie Ihr Äußeres nicht mit auffälligem Schmuck und Tüchern. Wenn Sie sich behängen wie einen Weihnachtsbaum, wirkt das schnell übertrieben. Bieten Sie besser jedem Schmuckstück die Möglichkeit zu wirken, d. h. kombinieren Sie nie zwei gleiche Schmuckstücke nebeneinander, z. B. zwei dominante Ringe an einer Hand oder zwei verschiedenartige Ketten an einem! Hals. Das wirkt auf viele Menschen neureich und unseriös.

Worauf sollte ich beim Make-up Wert legen?
Mit einem gekonnten Make-up kann jede Frau ihre natürliche Ausstrahlung hervorheben. Kleine Unregelmäßigkeiten können durch ein .natural-day- make-up“ unauffällig ausgeglichen und die Vorzüge des individuellen Gesichts zur Geltung gebracht werden. Da Make-up den natürlichen Typ aber auch verändern kann, sind Sie – gerade bei Tageslicht- mit einer .unbunten“ Schminktechnik gut beraten.
Dazu gehört: eine, dem eigenen Hauttyp ähnliche, Grundierung, schwarze, bzw. dunkelbraune Wimperntusche und eine dezente Lippenfarbe.
Verzichten Sie auf eine Grundierung, die deutlich dunkler als Ihre Hautfarbe ist und peinliche Farbränder zum Haaransatz hin ergibt. Vermeiden sollten Sie ebenfalls einen Lidstrich in der Breite eines Balkens, der schwer auf dem Lid lastet, sowie farbigen Lidschatten oder gar Wimperntusche und dunkelbraunen Lippenstift oder grell-roten Lippenstift.

Auch die richtige Körpersprache kann eine seriöse und selbstsichere Wirkung unterstreichen. Worauf sollte ich besonders achten?
Gestik und Mimik verraten mehr als man denkt. Wenn Sie sich nicht wohl fühlen, sinken Sie in sich zusammen. In solch einem Fall versuchen Sie sich aufzurichten, atmen Sie tief durch und füllen Sie Ihre Lungen mit Sauerstoff. Das wirkt Wunder! Nur mit einer guten Haltung strahlen Sie Stärke und Dynamik aus. Es ist möglich, den Körper dahingehend zu trainieren.
Ein erhobener Kopf signalisiert Entschlossenheit, Selbstbewusstsein und Engagement. Aber Vorsicht: Wer das Kinn zu hoch reckt, wird oft als arrogant eingestuft.
„Rumhängen“ wie z. B. Anlehnen an eine Wand macht einen schwachen Eindruck. Ein selbstbewusster Mensch kann frei im Raum stehen, ohne sich anlehnen zu müssen.
Mit den Füßen schlurfen oder immer mit dem Kopf voraus durch die Gänge hetzen, bietet kein selbstsicheres Bild. Trotzdem achten die wenigsten auf ihren Gang. Wer sich wirklich gut fühlt, geht weder zu schnell noch zu langsam und tritt sicher und fest auf.
Setzen Sie sich bequem, nicht vorn auf die Stuhlkante und auch nicht betont lässig nach hinten gelehnt. Im Sitzen können Sie ruhig auch die Beine übereinander schlagen. Unsicher wirkt jedoch, wer sie verdreht, verknotet oder die Füße gar um die Stuhlbeine „wickelt“.

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