Der erste Eindruck hat keine zweite Chance

ZFA aktuell, 01/2014 „Der erste Eindruck hat keine zweite Chance“

Zweiter Teil des Knigge-Ratgebers: Meine Arbeit in der Praxis

Der erste Eindruck hat keine zweite ChanceEva Ruppert aus Ebersdorf bei Coburg ist Stil- und Kommunikationstrainerin. Bis 1993 war sie Ersthelferin in einer Münchener Großpraxis. Seitdem hilft sie Menschen, sympathisch und kompetent wahrgenommen zu werden – und ihren ganz persönlichen Stil zu finden.

Frau Ruppert, ich habe täglich unzählige Kontakte mit Patienten. In gewissem Sinn bin also auch ich ein Aushängeschild meiner Zahnarztpraxis. Ich vermittle meist den ersten Eindruck von der Praxis, noch bevor der Patient zum Chef hinein geht. Worauf sollte ich in meinem Auftreten gegenüber Patienten besonders achten?
Denken Sie immer daran, dass Sie mit Ihrem Auftreten einen wertvollen Beitrag dafür leisten, wie die Praxis von den Patienten wahrgenommen wird. Während eines Praxistages kommen ganz unterschiedliche Menschen zu Ihnen: Männer, Frauen, junge Leute, ältere Herrschaften, Schmerzpatienten, ausländische Mitbürger. Jeder einzelne Patient hat seine ganz persönlichen Erwartungen an Ihre Praxis und Ihr Team. Respektieren Sie diese, gehen Sie auf jeden Patienten mit Respekt und ehrlichem Interesse ein!

Welche Kleidung ist denn in der Praxis angemessen?
Der erste Eindruck hat keine zweite Chance! Sie können fachlich noch so gut ausgebildet sein. Wenn Sie nicht auch so aussehen, sind Ihre Chancen ernst genommen zu werden, eher gering. Das hat nichts mit Verkleiden zu tun. Zu jeder Branche gehört nun mal ein angemessenes äußeres Erscheinungsbild. Überprüfen Sie deshalb sorgfältig, ob Sie sich in Ihrer Kleidung bequem bewegen können. Nicht der sexy oder hippe Look ist das entscheidende Kriterium, sondern die Zweckmäßigkeit. Sie verdienen Ihr Geld schließlich als zahnmedizinische Fachangestellte und nicht als Modell.
Tragen Sie ausschließlich intakte und tadellos saubere Oberbekleidung, schauen Sie sich im Spiegel ruhig auch mal von hinten an, und prüfen Sie, ob alles okay ist. Vermeiden Sie unbedingt abgelaufene, ausgetretene oder gar schmutzige Schuhe. Nur wenn das Outfit durchgängig von Kopf bis Fuß einwandfrei ist, werden Sie Ihre Patienten von Ihrer Kompetenz und Zuverlässigkeit überzeugen können.

Und wie viel Make-up ist erlaubt?
Schön sein, aber nicht angemalt aussehen, eine gepflegte Wirkung erzielen, mit minimalem Zeitaufwand … Das ist es, was die berufstätige Frau von heute sich wünscht und was ich als Make-Up-Artist für den Arbeitstag empfehle.
Das geht am besten mit einem „protessional-day-make-up“. Dazu gehören weiche, mattierende Farben für die Grundierung, so decken Sie eventuelle Unreinheiten, glänzende Hautpartien oder hektische Flecken im Gesicht ab. Achten Sie bei der Auswahl unbedingt auf den passenden Farbton, er soll sowohl zu Wangen als auch zum Hals passen.

Konturen und frische Akzente setzen Sie mit Wimperntusche und einem natürlichen Lippenstift, bzw. Lipp-Gloss und möglicherweise mit einem Hauch Rouge.

Aus Gründen des Arbeitsschutzes sind Schmuck, Piercings und Nageldesign in der Praxis tabu. Wie kann ich dennoch attraktiv wirken und persönlichen Stil entfalten?
Attraktivität kann sowohl auf äußerlichen Eigenschaften als auch auf Wesenseigenschaften beruhen. Da diese Einschätzung von den Erwartungen des Betrachters abhängt, sollten Sie sich fragen:
Was erwartet der Patient für ein Erscheinungsbild, wenn er in unsere Praxis kommt? Welche Werte, die sich in meinem Äußeren spiegeln, tragen dazu bei, dass ich auf den Patienten „anziehend“ wirke?
Die vier entscheidenden Aussagen sind: Die Sauberkeit Ihrer Kleidung spiegelt die Hygiene in der Praxis wider. Qualität steht für hochwertig-fachliche Arbeit. Ordentlichkeit vermittelt den Eindruck der korrekten Verfahrensweise. Und schließlich zeigt eine gute Passform Ihren Sinn für angemessene Mittel.

Manchmal ist auch der Umgang mit meinen Kolleginnen nicht leicht, vor allem, wenn ich mich in ein bestehendes Team einfügen muss. Wie gehe ich am besten vor?
Die Arbeit in einem Team ist wie die Arbeit in einem politischen Amt. Erst nach hundert Tagen gehören Sie wirklich dazu, bis dahin sollten Sie die Zeit nutzen, sich zu integrieren. Prägen Sie sich möglichst rasch die Namen Ihrer neuen Kolleginnen ein! Lernen Sie die ‚Spiel‘-Reqeln des Teams kennen und akzeptieren Sie diese! Bleiben Sie erst einmal unparteiisch, ganz gleich, wer was über wen erzählt! Tragen Sie durch Ihr Engagement zur guten Atmosphäre im Team bei! Bevor Sie kritisieren, stellen Sie fest, ob Sie auch bereits bestens informiert sind!
Es ist nicht leicht, den Weg in ein bestehendes Team zu finden. Es gibt keine festen, immer und überall gültigen Regeln; meine oben genannten Empfehlungen werden Ihnen aber sicher dabei helfen.

Link zum Belegexemplar (jpg): Der erste Eindruck hat keine zweite Chance