Kurzärmeliges Hemd ohne Kravatte

Frage: Etwas erstaunt habe ich über die angebliche „Modische Todsünde“ gelesen: „Kurzärmelig plus – Krawatte. Ein kurzärmeliges Hemd ist streng genommen kein Oberhemd, sondern Oberwäsche und eine Krawatte zur Oberwäsche geht gar nicht. Konsequenter sei es, beim kurzärmeligen Hemd auf eine Krawatte zu verzichten.“
Sie verstehen sicher deutlich mehr von Mode als ich. Aber, ist diese Ihre Ansicht noch zeitgemäß? Und Überall gültig. Ich stimme zu für manche, besonders steife Kulturen und wo ausnahmslos alle Räume auf 16°C bis 18°C klimatisiert sind.

Antwort: Diesen Einwand vertreten Sie nicht allein.
Noch zeitgemäß? Ja, wir erleben gerade eine Renaissance des klassischen Garderoben Stils.
Überall gültig? Nein, das ist vom Anlass, der Branche und Ihrem persönlichen Stil abhängig.
Zwei Erklärungen kann ich bieten:

1.) Die klassische Stilberatung, wobei klassisch für die Werte „zeitlos“ und „harmonisch“ steht, und die ich aus Überzeugung vertrete, ordnet das Kurzarmhemd dem „sportiven Look“ zu, die Krawatte jedoch steht in ihrem Ausdruck für „Formalität.“ Ein Element würde hier die Wirkung des anderen im Grunde aufheben. Das kann nicht das Ziel einer bewusst kombinierten Garderobe sein.

2.) Die Dress Codes, hier steht das Kurzarmhemd für den „casual“ Anlass und die Krawatte für den „formellen“ Code. Zwei Codes die ebenfalls nicht zusammen gehören, da sie völlig unterschiedlichen Ansprüchen genügen müssen

Aber wie sieht es hier im Sommer in Deutschland aus? Ein Bruchteil der Räume ist klimatisiert. Das Thermometer zeigt innen 26°C an oder mehr. Das Sakko / die Anzugjacke hängt griffbereit aber unbenutzt im Schrank. Und last but not least: Es gibt sehr viele und schöne und hochwertige kurzärmelige Business-Hemden zu kaufen, die man eigentlich nur mit Krawatte tragen kann. Wozu sind diese gedacht? Ist es nicht höflicher, seinen Gesprächspartnern / Kollegen mit kurzem Hemd plus passender Krawatte gegenüber zu treten, als verschwitzt mit langem Hemd und Sakko / Anzugjacke?
Ihrem letzten Argument stimme ich zu, es ist deutlich attraktiver, seinem Geschäftspartner mit Kurzarmhemd gegenüber zu treten, als verschwitzt zu sein und sich entsprechend unwohl zu fühlen. Solange das Jackett die nackten Arme bedeckt spricht auch kaum* etwas dagegen, nur ablegen sollten Sie das Jackett nicht, es sei denn der „Ranghöhere“ initiiert dies.

* Kaum sage ich deshalb, weil es hier noch eine Steigerung im Dress Code gibt, nämlich den „guten Stil“ im Sinne der Maßschneiderei. Im Fall eines Herrenhemdes hieße das, die Hemdenmanschette schaut ca. eine Daumenbreite aus dem Jackettärmel hervor.

Entscheiden Sie, wie wichtig Ihnen diese Stilaussage im jeweiligen Auftritt ist.

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